Rechtsanwalt Stefan Siewert

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Rechtsinformation - Aktuell

 

Nützliche und interessante Urteile, kurz gefasst

Mietrecht

Keine Umlage der Nebenkosten anhand des Melderegisters
Ist im Mietvertrag vereinbart, dass die Nebenkosten nach Kopfteilen umgelegt werden sollen, kann der Vermieter zur Ermittlung der Zahl der Bewohner nicht einfach auf die Daten des Melderegisters zurückgreifen, sondern muss die tatsächliche Belegung ermitteln. Zur Meldung kommt es auf die tatsächliche Nutzung und nicht auf melderechtliche Registrierung an. Anders könnte der in einem solchen Haus bestehenden Fluktuation der Mieter nicht ausreichend Rechnung getragen werden.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.01.2008, Aktenzeichen VIII ZR 82/07.

(nachträgliches) Wärmecontracting muss wirtschaftlich sein
Das so genannte Wärmecontracting, also die Übertragung der kompletten Wärmeversorgung eines Mietshauses auf ein gewerbliches Unternehmen, erfordert die Beachtung des Gebotes der Wirtschaftlichkeit. Wenn die Übertragung nach Abschluss eines Mietvertrages erfolgt, ist auf die Interessen der Mieter Rücksicht zu nehmen, insbesondere ist auf ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu achten.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 28.11.2007, Aktenzeichen VIII ZR 243/06.

Keine "Nutzerwechselgebühr" für Mieter
Der Vermieter hat gegenüber seinem ehemaligen Mieter nach dessen Auszug keinen Anspruch auf eine "Nutzerwechselgebühr". Kommt es während der laufenden Abrechnungsperiode zu einem Mieterwechsel und sind dadurch Zwischenablesungen hinsichtlich des Heizkostenverbrauchs o.ä. erforderlich, kann der Vermieter diese nicht auf den ehemaligen Mieter umlegen.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 14.11.2007, Aktenzeichen VIII ZR 19/07.

Starre Quotenabgeltungsklauseln unwirksam
Quotenabgeltungsklauseln – d.h. Klauseln in Mietverträgen, die vorsehen, dass nach einem starren Fristenplan noch nicht fällige Schönheitsreparaturen durch anteilige Zahlung auszugleichen sind - benachteiligen den Mieter unangemessen und sind daher unwirksam, sofern sie ihn zur Zahlung der Kosten für noch nicht fällige Schönheitsreparaturen nach feststehenden Prozentsätzen auch dann verpflichten, wenn ein diesem Kostenanteil entsprechender Renovierungsbedarf aufgrund des tatsächlichen Grades an Abnutzung der Wohnung noch nicht gegeben ist.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 26.09.2007, Aktenzeichen VIII ZR 143/06.

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Verwaltungsrecht

Berliner Verwaltungsgericht konkretisiert die Anforderungen für eine Ausnahmegenehmigung zum Befahren der Umweltzone
Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zum Befahren der Umweltzone aus gewerblichen Zwecken mit einem nicht plakettenfähigen Fahrzeug setzt voraus, dass die Anschaffung eines Ersatzfahrzeuges zu einer Existenzgefährdung führen würde. Zur Glaubhaftmachung dessen reiche es jedoch nicht aus, sich lediglich vom Steuerberater bestätigen zu lassen, dass geringe Einnahmen erzielt worden sind. Vielmehr sind auch der letzte Jahresabschluss und die aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung vorzulegen. Zudem müsse auch glaubhaft gemacht werden, dass kein anderweitiges Vermögen wie z.B. Sparguthaben o.ä. vorhanden sei.
Verwaltungsgericht Berlin, Beschluss vom 19.02.2008, Aktenzeichen VG 10 A 16.08.

Flate-Rate-Party darf untersagt werden
Dem Veranstalter von sogenannten "Flat-Rate-Parties", also Veranstaltungen, bei denen alkoholische Getränke ohne Mengenbegrenzung gegen einen Pauschalpreis abgegeben werden, kann aufgrund der davon ausgehenden Gefahr für die Gesundheit von Gästen die Auflage erteilt werden, dies künftig zu unterlassen.
Verwaltungsgericht Berlin, Beschluss vom 16.11.2007, Aktenzeichen VG 4 A 364/07.

Nicht-verschreibungspflichtige Medikamente für Beamte
Der Dienstherr muss auch dann die Kosten nicht-verschreibungspflichtiger Medikamente im Rahmen der Beihilfe übernehmen, wenn diese aufgrund geänderter Verwaltungsvorschriften nicht mehr erstattungsfähig sind. Eine derartig weitreichende Änderung der Bewilligungspraxis darf nicht durch einfache Verwaltungsvorschrift erfolgen, sondern bedarf eines förmlichen Gesetzes.
Verwaltungsgericht Berlin, Urteil vom 11.09.2007, Aktenzeichen VG 28 A 117.06.

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Datenschutzrecht

Zum Vorgehen gegen unerwünschte Werbung per Email
Wer unaufgefordert Werbe-Emails erhält, hat gegen den Versender einen Anspruch auf Unterlassung, unabhängig von der Zahl der gesendeten Emails. Bereits eine kann ausreichen. Daneben besteht auch ein Anspruch auf Löschung sämtlicher über den Empfänger gespeicherter Daten.
Oberlandesgericht Bamberg, Urteil vom 14.04.2005, Aktenzeichen 1 U 143/04.

Kein Anspruch auf Löschung von Datenerfassung als Gesellschafter oder Geschäftsführer
Die Gesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH haben gegenüber einer Wirtschaftauskunftsdatei keinen Anspruch auf die Löschung ihrer dort gespeicherten Daten. Der Betroffene muss dies hinnehmen, soweit die Daten geeignet sind, mögliche Kreditgeber zu einer sorgfältigen Prüfung der Bonität zu veranlassen.
Bundegerichtshof, Urteil vom 24.06.2003, Aktenzeichen VIII ZR 3/03.

Keine SMS-Werbung ohne Einwilligung
Die Beurteilung von SMS-Werbung richtet sich nach den gleichen Grundsätzen wie die von Email-Werbung: Die Werbung ist rechtswidrig, wenn nicht der Empfänger sein Einverständnis ausdrücklich erklärt hat oder dieses im geschäftlichen Verkehr ausnahmsweise zu vermuten ist.
Landgericht Berlin, Urteil vom 14.01.2003, Aktenzeichen 15 O 420/02.

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